Die alte Mighty Mouse hat bei mir nun endgültig die Ohren angelegt und ist in den wohlverdienten Maushimmel eingegangen. Tod durch verdrecktes Scrollrad. Das man dies nicht zur Reinigung öffnen kann, gehört in dieselbe Kategorie von mindestens fahrlässigen Design-Fehlentscheidungen wie fest eingelötete Akkus. Da ein neuer 27” iMac in den Startlöchern steht und ich grundsätzlich soweit möglich an allen Rechnern denselben Maustyp einsetze, war als Ersatz eine Magic Mouse fällig.

Magic Mouse product image (c) Apple Inc.
Über Optik und Design kann man sich wie bei vielem von Apple streiten. Interessanter ist für mich die Haptik und Funktionalität. Der spontane Kommentar einer Kollegin “das hat ja scharfe Kanten!” hat sich in der Praxis als irrelevant erwiesen. Die Mausoberfläche ist für meine durchschnittliche Handgröße klein genug und die Maus dermassen flach, dass die Hand nicht auf den Kanten zu liegen kommt. Die Hand greift eher mit Daumen und Ringfinger um die Maus während Zeige- und Mittelfinger recht entspannt flach liegen.
Das Griffgefühl der Maus und die Handhaltung kann ich subjektiv nur als erstklassig bezeichnen. Es fühlt sich so an, als ob die Hand locker mit leichter Wölbung auf dem Mauspad liegt. Die öfters kritisierte Flachheit der Maus ist tatsächlich ihre Stärke und unbedingt notwendig, um die iPhone-ähnlichen Gesten (eng. Swipes) verspannungsfrei durchführen zu können. Ich empfehle auf jeden Fall ein gutes Textil-Mousepad von hinreichender Größe. Direkt auf dem Tisch ist die Maus recht laut. Ein Mousepad mit Gelauflage für die Hand, wie ich es für höhere Mäuse eingesetzt habe, war mir mit dieser Maus unangenehm.
Fazit Haptik: sehr angenehm aber nicht für jedermann. Ausprobieren!
Funktional spielt diese Maus in ihrer eigenen Liga. Sie ist “magic” aber der Zauberlehrling könnte noch etwas mehr üben denn nicht alles ist Gold. Die ganze Oberfläche der Maus ist ein Touchpad mit einstellbarer Empfindlichkeit. Mithilfe der Settings und optionaler weiterer Anwendungen kann man hier vielfältige Klicks, Taps und Swipes konfigurieren. Es ist also eine Kombination von traditioneller Maus und Touchpad.
Klick: wie schon die Mighty Mouse kann man die Magic Mouse für einen Klick niederdrücken. Welche Aktion damit verbunden wird, hängt davon ab wo der oder die Finger beim Klick waren. Standardmässig ist ein Links- und Rechtsklick eingestellt.
Tap: wie beim iPhone kann man weitere Aktivitäten mit kurzem Antippen eines Bereichs der Maus verbinden
Swipe: Wenn man über die Maus streicht, erkennt das System mit wievielen Fingern, wo und in welcher Richtung gestrichen wurde. Standardmässig kann man durch Streichen in alle Richtungen scrollen und durch Links-/Rechtsstreichen mit zwei Fingern rückwärts und vorwärts navigieren. Das funktioniert erstaunlich gut sofern die Mausunterlage nicht zu glatt ist.
Fazit Funktionalität: Bundesliga
Perfekt ist die Maus nicht! Es fängt damit an, dass man zur Installation der neuen Treiber unter Leopard auf eine kleine Expedition gehen muss. Die Software-Aktualisierung findet das “Wireless Mouse Update 1.0″ nämlich nicht und der durchschnittliche Mac-Benutzer wundert sich, wo denn die Einstellungen der Maus zu finden sind.
Der dickste Minuspunkt dieser Treiber ist die mangehafte Zeigergeschwindigkeit! Die Maus ist schlicht für alle praktischen Fälle zu langsam und erfordert entweder lange Wege oder ruckartige Bewegungen um von einem Ende des Bildschirms zum anderen zu gelangen. Das dieses Problem auch schon bei der Mighty Mouse bestand, muss es wohl ein “Konzept” von Apple sein. Es ist mir völlig unerklärlich, wieso Apple diesen vielgescholtenen Misstand nicht behoben hat. Die Höchstgeschwindigkeit des Zeigers sollte angehoben werden und man sollte wie sonst auch die Geschwindigkeit und Beschleunigung separat einstellen können. Das kostenpflichte Tool SteerMouse hat diese Option für die Mighty Mouse bereitgestellt. Leider ist SteerMouse nicht mit der Magic Mouse kompatibel.
Nach der Installation des Wireless Mouse Updates hat man einige wenige Optionen, die weit hinter den Möglichkeiten der Maus zurückbleiben. Um die Maus mit ihrem vollen Potential zu nutzen, empfehle ich das kostenlose Tool MagicPrefs. Hiermit kann die Mausgeschwindigkeit von Rheumatisch auf Flink angehoben werden und die Auswahl an Klicks und Gesten ist deutlich umfangreicher.


Fazit: mit ein paar neuen Zaubersprüchen ist die Magic Mouse tatsächlich ein echtes Apple-Produkt.
Leistungsfähig, kreativ innovativ und sicherlich in hohem Maße polarisierend.