Solides Fundament
Ich denke jeder Modellbahn-Begeisterte hat mit dem klassischen Oval auf dem Küchentisch, dem Fussboden oder der obligatorischen Sperrholzplatte begonnen. Gegen Küchentisch und Fussboden ist nichts zu sagen, gegen die Sperrholzplatte dagegen viel! Der richtige Unterbau für eine größere Modellanlage ist ausgesprochen wichtig; er sollte folgende Kriterien erfüllen:
- Stabil
- Leicht
- Modular
- Preiswert
Mit “stabil” meine ich nicht, dass 10cm Balken eingesetzt werden sollen. Stabilität schützt gegen Ausdehnung, Verwerfungen und Verwindungen, die zu Beschädigungen der Gleise und Kontaktprobleme führen. Das schliesst eigentlich automatisch eine einfache Sperrholzplatte aus, die mit der Zeit ein beträchtliches Eigenleben entwickeln kann.
Leicht scheint selbstverständlich zu sein. Dennoch sieht man manchmal im Netz Abbildungen von Modellbahngerüsten, die von einem Zimmermann kommen könnten.
Modular wird gerne vergessen, bis man mit einer größeren Anlage umziehen muss. Spätestens dann freut man sich, wenn man die Anlage in transportablen Abschnitten konstruiert hat, die ohne größere Zerstörungen trennbar sind. Faustformel: keine Fläche darf größer als ein Türblatt sein. Besser weniger, denn auf der Fläche sind ja eventuell noch Berge oder andere Erhebungen, die einen Transport durch ein Treppenhaus schwierig machen können.
Preiswert hat jeder gerne. Die Menge an zu verbauendem Material für eine größere Modellanlage kann erstaunlichen Umfang haben. Die von mir derzeit geplante Anlage (L-Form mit ca. 260cm Breite und 130cm Tiefe max.) verschlingt insgesamt 80 Meter Holzleisten!
Auf diesen Unterbau werden dann Sperrholzbretter in der Form der zu verlegenen Gleise geleimt/geschraubt. Wie diese in der Höhe fixiert werden, hängt von der Bauform des Unterbaus ab. HIER KOMMT SPÄTER NOCH EIN BILD WIE SO ETWAS AUSSEHEN KANN. Auf das Brett wird dann das Gleisbett und dann das Gleis geklebt/geschraubt. Es ist also in den seltensten Fällen so, dass die Gleise direkt auf dem Unterbau montiert werden. Das ergäbe eine langweilige weil flache Anlage.
Welche Unterbaukonstruktionen werden gerne verwendet?
- Türblatt – das ist der Klassiker bei beschränktem Platz, der leider nur wenig Kreativität bei der Gleisplanung erlaubt. Aus einem rechteckigen Unterbau wird leider allzu häufig ein ovales Gleis. Langweilig!
- Rahmenkonstruktion – hierbei werden Bretter in Form eines offenen Kastens mit 30-50cm Raster verbunden. Das Ergebnis sieht aus wie ein XXL Setzkasten ohne Boden. Diese Konstruktion ist erheblich stabiler als eine Platte und erlaubt den bequemen Zugriff von unten. Leider ist diese Konstruktion nur mässig leicht und wegen der konstruktiven Anforderungen mittel teuer.
- Spantenkonstruktion – dies ist ähnlich der Rahmenkonstruktion aber es werden keine Rahmen gleicher Höhe aneinander gereiht, sondern es wird der geplante Höhenverlauf der Anlage durch entsprechend ausgesägte “Spanten” vorgegeben. Sehr stabil und sehr aufwändig (teuer) zu konstruieren.
Eine gute Einführung in die Prinzipien der Modellanlagen-Konstruktion findet man in dem Buch “Modellbahn Anlagenbau” von Gernot Balcke, Band 3 der Reihe Alba Modellbahn-Praxis, Alba Verlag (ISBN 978-3-87094-248-9). In dieser Reihe finden sich einige weitere empfehlenswerte Bände. Nicht zu empfehlen sind die Elektrik- und Elektronik-Bände, da diese arg altmodisch oder im Digitalbereich hoffnungslos veraltet sind.
Aus diesem Band 3 habe ich mir die Leistenkasten-Konstruktionsmethode abgeschaut, die im folgenden beschrieben wird.
Leistenkasten-Methode
Es handelt sich dabei um eine Rahmenkonstruktion mit minimalem Materialeinsatz. Statt Kästen aus Brettern zu konstruieren, die dann im Rastermass aufgereiht werden, nimmt man hier Rahmen aus federleichten Leisten.

Oben sieht man einen solchen Rahmen. Für Spur-N verwende ich ein Rastermass von 33cm bei einer Höhe von 13cm. Dazu haben die abgebildeten langen Leisten die Maße 32 x 2 x 1cm und die kurzen Leisten die Maße 9 x 2 x 1cm. Diese werden wie oben abgebildet miteinander verleimt.
Konstruktionshinweise
Da man viele dieser Rahmen miteinander verbindet, ist eine gewisse Genauigkeit der Rahmen recht wichtig. Ansonsten wird die Gesamtkonstruktion schief und krumm. Dazu ist zu beachten
- Alle Leisten sollten am besten aus derselben Lieferung stammen. Eine 2×1cm Leiste kann bei verschiedenen Verkäufern um bis zu 10% abweichen und wenn dann die Stärke der langen und kurzen Leisten eines Rahmens unterschiedlich ist, hat man Probleme bei der stabilen Verbindung solcher Rahmen (siehe unten)
Wohl dem der einen Baumarkt oder Holzfachhandel hat, der bereit ist, 200-300 kleine Leisten aus einer Stange zu sägen.
Alle anderen müssen dafür Sorge tragen, das mindestens die kurze Leiste sauber und rechtwinklig abgesägt wurde. Ansonsten wird der Rahmen krumm und schief denn man leimt diese Schnittkante direkt auf die lange Leiste. Mein Tip: für kleines Geld erhält man im Baumarkt brauchbare Gehrungssägen mit Abstandhalter. Damit kann man gleich lange Leisten zügig und sauber absägen. Gut investiertes Geld!
- Holzleim wie z.B. Ponal Classic benötigt mindestens 20-30 Minuten unter Druck, bis man den Rahmen zum endgültigen Aushärten des Klebers beiseite legen kann; ich habe immer 1 Stunde pro Rahmen gewartet. Man lege sich daher mehrere Paare der abgebildeten Zwingen zu. Diese werden auch später noch nützlich.
- Für die optimale Rechtwinkligkeit der Rahmen sorgt der angesprochene saubere (Holzfeile) und gerade Schnitt sowie ein Winkeleisen zum Anlegen.
Der nächste Schritt ist die Verbindung von jeweils vier solcher Rahmen zu einem Kasten:

Achtung: das genannte Alba-Buch empfiehlt hierzu Dreick-Leisten, die in den Winkel zwischen zwei Rahmen geleimt werden. Das halte ich für keine gute Idee, denn so kann man keinerlei Druck auf die verleimte Fläche ausüben, was für eine stabile Verbindung wichtig ist. Alternativ wird in dem Buch auch die Verwendung von Vierkantstäben empfohlen, was die richtige Lösung ist.
Ich leime und schraube jeweils einen 13 x 1 x 1cm Stab in die Ecke zweier Rahmen. Schrauben 3×16 mit Senkkopf werden dazu mit einer Vorbohrung von 2mm und einer Aufbohrung von 4.5mm für den Senkkopf eingeschraubt.
Die abgebildeten preiswerten (ca. 3€) Klammern von Wolfcraft haben sich als unverzichtbar zur Fixierung und Aufpressung des Verbindungsstabes erwiesen. Sehr zu empfehlen!
Tip: sollte trotz aller Sorgfalt der Rahmen nicht gleichmässig sein, hat man ein Problem den Stab gleichmässig auf den Rahmen zu leimen. Er würde hohlliegen und auch potenziell schief sein, was dann alle angereihten Rahmen ebenfalls schief werden liesse! Hier wirkt ein preiswerter Schwingschleifer wahre Wunder!
TO BE CONTINUED